"Schöne Trikots haben sie an, aber das ist auch das
Einzige"
Alemannia Aachen gegen SV Wehen Wiesbaden - der Erdkern ist
erreicht
Unterirdischer geht es nicht mehr. Könnte man tiefer unter die Erde vordringen als bis zum Erdkern, dann hätte die Alemannia das heute mit dem, was sie auf dem Fußballplatz in Wehen Wiesbaden abgeliefert hat, sicher getan.
Vielleicht waren sich die Spieler gar nicht bewusst, dass sie auf einem "Fußball"platz standen - und das Wort "standen" trifft wörtlich zu, denn von Laufbereitschaft scheint diese Mannschaft auch schon länger nichts mehr gehört zu haben.
Von der ersten bis zur letzten Minute war unser "Team" nicht nur unterlegen, sondern im Prinzip fußballerisch nicht vorhanden. Dass erst Mitte der zweiten Halbzeit das Führungstor für die Wiesbadener fiel, war zum einen unserem Torwart, Torsten Stuckmann, zu verdanken, der der einzige Aachener mit Normalform war. Zum anderen war es pures - und unverdientes - Glück, das möglicherweise durch die nicht gerade überragende, aber dennoch der der Aachener heute weit überlegenen individuellen Klasse der Wehener, begünstigt wurde.
"Die Wehener rühren jetzt Beton an, um das 1:0 hier zu halten. Aber Beton ist eigentlich gar nicht nötig, bei den Aachenern würde jetzt auch eine Pappwand halten!", so der Kommentator Tom Adrian von 100.5 Das Hitradio, von dem auch der in der Überschrift zitierte Satz stammt.
Dieser Kommentar sagt alles. Kein Mumm, keine Leidenschaft, nicht einmal der Funke eines Willens und schon gar kein Aufbäumen nach dem Rückstand war erkennbar.
So gut wie kein Pass fand den Mitspieler. "Ballstoppen" scheint ebenfalls ein Fremdwort für die Profis der Alemannia zu sein. Und dass ein Torschuss ins Seitenaus geht, ist auch eine Kunst, die man eigentlich bei "Verstehen Sie Spaß" präsentieren müsste. Doch mit Spaß hat das, was die Aachener im Moment zeigen nichts mehr zu tun.
Erst die sehr schwache Leistung gegen Duisburg, die in der zweiten Halbzeit wenigstens noch ansatzweise den Versuch einer Aufwertung erfuhr - und heute diese Veranstaltung, die man von Aachener Seite nicht als ein Fußballspiel bezeichnen möchte, um den Begriff nicht zu entfremden.
Die Tendenz zeigte sich auch schon an den vorherigen Spieltagen, aber jetzt ist ein Tiefpunkt erreicht - obwohl die Saison gerade erst begonnen hat.
Die große Frage: Woran liegt das? Am Trainer? Am Manager? Oder leiden die Spieler unter extremer Amnesie und vergessen immer wieder, was sie eigentlich auf dem Platz tun sollen?
Festzustellen sind jedenfalls die Zeichen, die man nach dem heutigen Spiel bemerken konnte:
Ein Manager mit den Händen vor dem Gesicht; Spieler, die so aussahen, als hätten sie gerade ein Testspiel verloren und es wäre alles nicht so wichtig; ein Trainer, der völlig ruhig an der Seitenlinie steht.
Wie es weiter geht? Nun, eigentlich kann es nur noch besser werden.
Oder ... gibt es vielleicht doch noch etwas tieferes als den Erdkern? Dies zu erforschen werden wir am nächsten Sonntag die Gelegenheit haben, wenn der SC Freiburg im Trainingsspiel gegen Aachen seine Tabellenführung festigen kann.
Vielleicht ist die Erde ja doch keine Kugel ...